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Mittwoch, 28. März 2012

Job-Vernichter EDEKA-Großlager Berbersdorf


Quelle: Sächsische Zeitung, von Carsten Gäbel

Wie das Edeka-Großlager Berbersdorf Jobs vernichtet

Der Freistaat steckt knapp 24 Millionen Euro in ein Gewerbegebiet, dessen erste Ansiedlung 204 Menschen arbeitslos macht.
 
Von Carsten Gäbel, SÄCHSISCHE ZEITUNG

Wer wissen möchte, wie Goldgräberstimmung aussieht, bekommt zurzeit in Berbersdorf an der A4 den nötigen Anschauungsunterricht. Dort baut die Gemeinde Striegistal das zukünftig größte Gewerbegebiet Sachsens. Riesige Flächen sind bereits planiert, Rohre und Leitungen wurden verlegt, Straßen ins nirgendwo gebaut. Ab dem kommenden Herbst – vor wenigen Monaten war noch von diesem Frühjahr die Rede – will der erste Investor Edeka dort auf 22 Hektar, einer Fläche s o groß wie 30 Fußballfelder, ein neues Logistikzentrum hochziehen. Etwa 50 Millionen Euro investiert der Lebensmittelriese. Mit dem Geld könnte die Gemeinde Striegistal, zu der Berbersdorf gehört, fünf Jahre lang wirtschaften. Kein Wunder, dass die Kommunalverwaltung 15 Jahre um das Gewerbegebiet gekämpft hat und 2009 triumphierte, als Edeka verkündete, in Berbersdorf ein Logistikzentrum bauen zu wollen. Noch vor zehn Monaten freute sich Bürgermeister Bernd Wagner (parteilos) auf mindestens 500 Edeka-Arbeitsplätze. Doch die Sause entpuppt sich mittlerweile als Milchmädchenrechnung.

Für die Eröffnung des Großlagers Berbersdorf werden die sächsischen Edeka-Lager Hof bei Stauchitz und Borna geschlossen. In diesen Lagern sind 512 Frauen und Männer beschäftigt. Seit 2005 steht fest, dass Edeka beide Standorte zugunsten eines neuen Lagers dicht machen möchte. Deshalb waren die „Edekaner“, wie sich die Mitarbeiter untereinander nennen, nicht überrascht, als bekannt wurde, dass in Berbersdorf ein neues Logistikzentrum gebaut wird. Schließlich hieß es, jeder fest angestellte Edekaner aus Borna und Hof könne in Berbersdorf einen Job bekommen. Seit allerdings im vergangenen November öffentlich wurde, dass statt mehr als 500 in Berbersdorf nur noch 308 Mitarbeiter gebraucht werden, ist die Wut groß. Die Kommentare auf dem Gewerkschaftsblog (http://edeka-nst-verdi.blogspot.de/) sprechen Bände. Der Betriebsrat hat alle Hände voll zu tun.

Weniger Jobs, weniger Steuern
„Wir befinden uns gerade in Verhandlungen über einen Sozialplan. Für uns geht es um das Leben von rund 2 000 Menschen, denn natürlich sind von der Entscheidung ganze Familien betroffen“, sagt der Hofer Betriebsratsvorsitzende Stefan Bräuer. Besonders Staplerfahrern soll die Entlassung drohen. In Berbersdorf hat die Geschäftsführung vor, im Trockensortiment mehr Maschinen einzusetzen, so dass menschliche Arbeitskräfte eingespart werden können. Weniger Arbeitsplätze bedeuten für die Gemeinde Striegistal tendenziell auch geringere Gewerbesteuereinnahmen. In einem Unternehmensverbund, wie der in der hiesigen Region aktiven Edeka Handelsgenossenschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen mbH mit Sitz in Rottendorf bei Würzburg wird die Gewerbesteuer auf Grundlage des Gewinns des Gesamtunternehmens berechnet, erläutert Frank Lange von der IHK Chemnitz. Je niedriger die in Berbersdorf gezahlte Gesamtlohnsumme ist, desto geringer ist der Gewerbesteueranteil, der nach Striegistal fließt. Weniger Arbeitsplätze bedeuten weniger Gewerbesteuereinnahmen, sofern der Gewinn durch die Einsparung der Arbeitsplätze nicht deutlich steigt.

„Wir haben Wirtschaftsminister Sven Morlok gebeten, einen Appell für den Erhalt der Arbeitsplätze an die Edeka-Geschäftsführung zu schicken. Das konnte er uns aber nicht versprechen. Dieses Verhalten hat uns maßlos enttäuscht“, so Betriebsrat Bräuer. Das Wirtschaftsministerium war nicht in der Lage, zu dem Vorgang innerhalb von drei Werktagen eine Stellungnahme abzugeben.

Striegistal wirbt weiter
Pikantes Detail der Edeka-Ansiedlung ist die massive Förderung der Infrastruktur des Gewerbegebietes durch das Wirtschaftsministerium. Das hat der Gemeinde Striegistal 23,6 Millionen Euro aus dem Fördertopf „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ zugesagt, um die mehr als 28 Millionen Euro teure Erschließung bezahlen zu können. Vorrangiges Ziel des Bund-Länder-Programmes „ist die Schaffung von wettbewerbsfähigen neuen Arbeitsplätzen“oder deren Erhaltung, schreibt das Wirtschaftsministerium auf seiner eigenen Internetseite. Mit der ersten Ansiedlung werden jedoch zunächst einmal Arbeitsplätze vernichtet. Ob und wann es weitere Ansiedlungen in Berbersdorf geben wird, kann nur die Zukunft zeigen. Die Gemeinde verhandele mit möglichen Interessenten, sagt Striegistals Kämmerer Frieder Lomtscher. „Wir sind dabei, Kaufverträge vorzubereiten. Die Sache ist ziemlich konkret. Wir rechnen in den nächsten Monaten mit Entscheidungen“, so Lomtscher weiter. Namen will er nicht nennen. Selbst wenn die Striegistaler demnächst den nächsten dicken Fisch an die Angel bekommen –eventuell sogar einen, der wirklich Arbeitsplätze schafft – vergehen mitunter Jahre bis zum Baubeginn. Die Edekaner plagt unterdessen noch eine weitere Sorge: „Leider hat die Geschäftsführung immer noch nicht festgelegt, wer der Betreiber des neuen Logistikzentrums Berbersdorf sein soll“, erklärt Betriebsrat Bräuer. Hinter der auf den ersten Blick technokratischen Frage verbirgt sich die Angst vor einer Schwächung der Arbeitnehmervertretung. In einer separaten Gesellschaft hätte der Edeka-Gesamtbetriebsrat der Region Nordbayern-Sachsen-Thüringen nichts zu sagen. Außerdem fürchten die Edekaner Lohnsenkungen durch die Hintertür: Mit dem Wechsel in eine separate Gesellschaft würden ihnen die Einstufung in andere Tarifgruppen drohen. Zurzeit verdient beispielsweise ein Staplerfahrer in Hof und Borna knapp 2 000 Euro brutto. Der Betriebsrat plädiert deshalb dafür, das Lager Berbersdorf in die Edeka Handelsgenossenschaft einzugliedern, obwohl bereits eine Logistik Berbersdorf GmbH mit Sitz in Rottendorf gegründet wurde.

Edeka selbst hüllt sich in Schweigen. Zehn Fragen, die der Döbelner Anzeiger vor zwölf Tagen an Edeka sandte und zwei weitere Fragen, die Edeka seit vergangenem Freitag vorliegen, sind trotz mehrmaliger Nachfragen bis heute unbeantwortet geblieben. Wird der Standort Berbersdorf in eine separate Gesellschaft eingegliedert und so verhindert, dass der Gesamtbetriebsrat von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen seine schützende Hand über die Berbersdorfer halten kann? Was tut die Geschäftsleitung, um die Stimmung unter den von Arbeitsplatzabbau bedrohten Beschäftigten in Hof und Borna zu verbessern?

Chefs ignorieren Mitarbeiter
Keine Antwort von Edeka-Sprecherin Vicky Grimanelis, keine Auskunft von Edeka-Sprecherin Meike Marschall. Marschall gibt fast zwei Wochen nach der ersten Presseanfrage immerhin auf Nachfrage zu, dass die Geschäftsleitung wahrscheinlich gar nicht vorhat, sich zu der Angelegenheit zu äußern. Offiziell heißt das bei Edeka: „Die Anfrage liegt bei der Geschäftsführung und wird bearbeitet“. Stumm ist auch der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Schneider, der erklärt, man möge doch bei der (schweigenden!) Geschäftsführung nachfragen. Erst vergangenen Mittwoch tagte der Aufsichtsrat von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen. Es ist wahrscheinlich, dass auch der Logistikstandort Berbersdorf auf der Tagesordnung stand.
Doch nicht genug damit, dass Edeka gegenüber der Presse die Auskunft verweigert. Trotz Einladung habe die Geschäftsführung aus Rottendorf am vergangenen Donnerstag eine Betriebsversammlung im Lager Hof ignoriert, obwohl sie vor Ort war, so Betriebsrat Bräuer. „Da wissen Sie, wie wertgeschätzt sich Mitarbeiter fühlen, die 15, 17, 20 Jahre hier gearbeitet haben. Eine Stunde später machen sie einen Betriebsrundgang, so als ob nichts gewesen wäre“, so Bräuer. „Angesichts dessen stehe ich heute noch etwas unter Schock.“

Dienstag, 27. März 2012

Geschäftsführung der EDEKA NST ignoriert Mitarbeiter


Quelle: Döbelner Anzeiger, von Maria Lotze

Vertreter der Chefetage folgen einer Einladung zur Betriebsversammlung nicht. Die Zukunft der Mitarbeiter in Hof und Borna ist offen.  
Die 512 Mitarbeiter der Edeka-Lager in Hof bei Staucha und Borna sind bestürzt. Die Vertreter der Geschäftsleitung der Edeka Unternehmensgruppe Nordbayern-Sachsen-Thüringen (NST) haben eine Einladung zur Betriebsversammlung im Lager Hof ignoriert. Am Donnerstag hat sich der Ausschuss des Gesamtbetriebsrates von Hof und Borna mit der Geschäftsleitung in Hof getroffen. Im Anschluss sollten sich die Vertreter der Chefetage den Mitarbeitern stellen. Das Treffen kam jedoch nicht zustande. Stefan Bräuer vom Betriebsrat Hof: "Die Mitarbeiter wollten der Geschäftsleitung ihre Ängste und Wünsche in Bezug auf das Lager in Berbersdorf schildern. Jetzt kommen sie sich vor wie das Letzte."

Am 12. April trifft sich der Ausschuss des Gesamtbetriebsrates noch einmal im Lager in Borna. Auch dort wird es im Anschluss eine Betriebsversammlung geben. Die Geschäftsleitung soll dann nicht noch einmal eingeladen werden. "Sie kommt doch sowieso nicht", ärgert sich Bräuer.

In welches Unternehmen das neue Lager in Berbersdorf eingegliedert wird, steht noch immer nicht fest. Es ist noch offen, ob das Lager, wie alle anderen, zur Unternehmensgruppe Edeka NST oder zur neu gründeten Berbersdorf Logistik GmbH kommt. Zwar gab es im vergangenen Jahr das Signal, dass auch das neue Lager in die Edeka-Gruppe integriert wird, doch sicher ist das bis jetzt nicht. "Die klaren Statements fehlen", sagt Betriebsrat Bräuer. Auf die sind nicht nur die 512 Mitarbeiter der beiden Lager angewiesen, sondern auch deren Familien. Die Mitarbeiter wollen eine Zuteilung zur Edeka-Gruppe.

Edeka lässt in Berbersdorf ein neues Lager bauen. In dem haben jedoch nur 308 Mitarbeiter Platz, eine Abteilung soll vollautomatisch laufen. Die beiden Lager in Hof und Borna, wo zusammen 512 Mitarbeiter beschäftigt sind, sollen geschlossen werden.

Quelle: Döbelner Anzeiger, von Maria Lotze

Donnerstag, 22. März 2012

Dumpinglöhne bei EDEKA

Folgender Brief einiger Angestellter der Edeka Filialen Edeka-Weiß Möckern und Biederitz sowie 39288 Burg wurde der Redaktion übermittelt:

Mittwoch, 7. März 2012

Kündigungs-Tsunami wütet in Gochsheim

Wie aus sicheren Quellen bekannt wurde, forderte der Kündigungs-Tsunami seine ersten Opfer. Wer oder Was diesen Tsunami auslöste wird schonungslos von der Redaktion aufgelöst werden. Wir können momentan nur soviel dazu sagen: "Der Zocker ist wieder auf Abwegen". Weitere Informationen in Kürze.

Eure Redaktion

Dienstag, 6. März 2012

EDEKA Masterplan gescheitert !

Die Lebensmittelzeitung bringt es auf den Punkt, was die Arbeitnehmervertreter schon seit 2009 nach Machtantritt von Rohrer und Co. prophezeiten. Es wurde der Wolf im Schafspelz engagiert, dessen Aufgabe darin bestand, den Fuhrpark, die Kommissionierung und entsprechend Arbeitsbereiche durch Werkvertragsfirmen zu ersetzen. Zum Glück wurde diese Strategie sofort von Arbeitnehmervertretern erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet. Der genossenschaftliche Gedanke, der EDEKA schon seit 1907 prägt, sollte nach einem strukturierten Masterplan zerstört werden. EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen sollte hierbei das Pilotprojekt sein. Leider wurden auch die Mahnungen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ignoriert und man hätte tatenlos zugesehen, wie der soziale Kahlschlag von statten gehen sollte. Die Redaktion wird mit Argusaugen den weiteren Werdegang der NST beobachten und gegebenenfalls informieren.